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Spatenstich

Rund 10 Jahre nachdem die ersten keltischen Rekonstruktionen auf dem Burgberg errichtet wurden, soll das keltische Freilichtmuseum diesen Sommer um zwei Wohngebäude erweitert werden. Wie schon damals haben Prof. Dr. Wolfgang Neubauer und Dr. Wolfgang Lobisser die Planung dafür in die eigenen Hände genommen. Sie wollen das kulturelle Erbe Schwarzenbachs in einem einzigartigen Archäologiepark präsentieren und damit unsere Vergangenheit auf lebhafte Weise in die Gegenwart holen. Die Vorbereitungen für den Bau selbst sind Anfang Mai angelaufen.


Das gesamte Gebiet der Freilichtanlage wurde durch einen Zaun eingegrenzt. Dabei haben wir versucht eine Zaunkonstruktion zu wählen, die einerseits auch in keltischer Zeit bekannt gewesen sein könnte und deren Anlage andererseits nach Möglichkeit keinerlei Störungen des unter Denkmalschutz stehenden Areals erforderte.

Zaunanlage

Unsere Wahl fiel auf einen sog. Stangen- oder Bänderzaun, der in volkskundlichem Milieu vor allem dort eingesetzt wurde, wo der Untergrund kaum tiefere Eingriffe möglich machte, wie z. B. auf Almböden. Die senkrechten Elemente dieser Zaunkonstruktion bestanden aus leicht gebogenen Ästen von starken Fichten oder Tannen mit Durchmessern bis zu 8 cm an den dickeren unteren Enden. Diese wurden unten angespitzt und paarweise im Abstand von etwa 20 cm einige Zentimeter in den Boden gesteckt, so dass die beiden Wölbungen zueinander gerichtet waren. Diese Paare sind etwa im Abstand von 1 m aufgestellt worden.

Die querliegenden Elemente bestanden aus relativ langem Stangenholz von Fichten und Tannen mit Durchmessern bis zu etwa 12 cm an den Wurzelenden. Die Stangen wurden umseitig an mehreren Stellen mit einem Ziehmesser streifenweise entrindet, damit sie vor allem in Bodennähe nicht absticken können. Nun wurden die Stangen schräg zwischen die Astpaare eingelegt. Zwischen den Stangen wurden diese Paare mit Bindungen aus harzreichen Fichtenästen mit Durchmessern bis zu 3 cm versehen. Insgesamt drei Bindungen pro Paar, zwischen denen jeweils zwei bis drei Stangenlagen eingebracht wurden. Die Äste wurden für diesen Zweck vorher auf einem Glutbett erwärmt bis sich die Rinde dunkel verfärbte. Dadurch erhitzte sich das Harz in den Zellen und die Fasern der Äste konnten in sich verdreht werden. Insgesamt gibt es vier Eingangstore in das Freilichtgelände, von denen drei aus Sicherheitsgründen auch mit Fahrzeugen passiert werden können. Die Tore bestehen aus Wendebohlenkonstruktionen aus Rundstämmen mit eingeflochtenem Astwerk.


 

 Freilichtmuseum     Freilichtmuseum

 

Das Freilichtgelände am Burgberg in Schwarzenbach besteht aus sieben Gebäuden und zahlreichen weiteren rekonstruierten Objekten wie Garten-, und Zaunanlagen. Diese erlauben dem Besucher den keltischen Lebensalltag selbst zu erfahren. Bisher wurden ein Handwerkerhaus in Pfostenbautechnik mit Riegelwänden aus Eichenholz, ein Speicherbau mit Blockwänden auf Schwellbalken in Fichte, eine Töpferhütte auf Pfosten, sowie ein großes Wohnhaus in Ständerbautechnik mit Riegelwänden aus Nadelholz errichtet. Die Innenausstattung der Häuser mit Vorrats- und Kochbehältern, weiterem Hausrat und Werkzeug der späten Eisenzeit, soll das Alltagsleben dieser Zeit lebendig illustrieren.

Soweit sich uns die archäologischen Quellen erschließen, dürfen wir davon ausgehen, dass am Burgberg ein Großteil der langrechteckigen Wohnbauten auf Schwellbalken im Aufgehenden entweder als Ständerbau mit Riegelhölzern oder als Blockbau errichtet wurden. Vor allem die Längsseiten der Gebäude sind mit bis zu 12 m jedoch zu lang, um sie mit durchgehenden Balken auszuführen. Aus diesem Grund hat man mit großer Wahrscheinlichkeit auch die Blockbauvarianten mit Ständerbauelementen versehen. Dadurch konnten erstens Türbereiche unkompliziert eingebaut werden, aber auch wesentlich kürzere Bauelemente in der Blockbaukonstruktion eingesetzt werden, wodurch wiederum das zur Verfügung stehende Bauholz wesentlich besser ausgenützt werden konnte. Die Mischbauweise aus Ständer- und Blockbau auf Schwellenunterlage ist aus der eisenzeitlichen Gewerbesiedlung am Dürrnberg bei Hallein mehrfach überliefert( vergl. Lobisser 2005).

Auch aus dem volkskundlichen Milieu sind Hauskonstruktionen bekannt, bei denen einzelne Hausbereiche in unterschiedlichen Techniken ausgeführt wurden. Meist wurden diese einzelnen Hausbereiche nachweislich auch auf unterschiedliche Art und Weise genützt. Aus diesem Zusammenhang ist vor allem die Kombination von Wohn- und Stallbereich oder von Wohn- und Werkstattbereich unter einem Dach bekannt.

 

Wohnhaus 1

HerrenhausWohnhaus 1

 

Das rekonstruierte Wohnhaus in Ständerbauweise zeigt vor Ort die entwickeltste Form des Holzbaus, die wir uns in der spätkeltischen Zeit vorstellen dürfen. Die archäologischen Vorbilder für dieses Objekt stammen in erster Linie aus Schwarzenbach und vom Ramsautal am Dürrnberg bei Hallein, wo sich maßgebliche Teile einer ähnlichen Holzkonstruktion erhalten konnten. Vom Burgberg in Schwarzenbach ist dieser langrechteckige Bautyp mehrfach überliefert. Kennzeichnend ist, dass es sich in allen Fällen um Schwellbalkenkonstruktionen handelte, die unterkellert sein konnten.

Bei diesem Gebäude haben wir den Großteil der Konstruktionshölzer umseitig mit Lappendechseln aus Roheisen flächig zugerichtet. Den Schwellbalkenkranz von etwa 6,5 auf 10,5 m bilden im Querschnitt rechteckige Bauhölzer, die an den Ecken mit Stemmbeiteln halbseitig überblattet gearbeitet wurden. Drei Ankerbalken stabilisieren das Fundament im Mittelbereich. In diesen Schwellbalkenkranz wurden nun in regelmäßigen Abständen zwölf an ihren Enden mit Zapfen versehene Ständer in Zapfenlöchern eingelassen. An den vier Hausecken werden diese durch jeweils zwei schräge Fußstreben unverrückbar in Position gehalten, die sowohl in die Schwellbalken, als auch in die Ständer eingelassen und mit Holznägeln gesichert sind.

Andererseits ist dies auch die einzige Methode, eine stabile Wandkonstruktion zu erhalten, wenn auf dem Schwellbalkenkranz kein Blockbau sitzt. An ihren oberen Enden wurden die Ständerbalken ebenfalls mit Zapfen versehen und in die Fußpfetten der Dachkonstruktion bzw. an den Stirnseiten in die Binderbalken der Unterrähmkonstruktion eingelassen. Dadurch erhielten wir eine verwindungsstabile tragende Unterkonstruktion für den Dachstuhl.

 

Dachkonstruktion          Herrenhaus Dachkonstruktion

Voraussetzungen für einen wissenschaftlich vertretbaren Wiederaufbau war ein intensives Studium der eisenzeitlichen Werkzeugkultur und der archäologischen Baubefunde. Ziel der Errichtung der Anlage war die weitestgehende Authentizität. Die Rekonstruktionen basieren auf archäologischen Grabungsergebnissen, es wurden nur solche Baumaterialien verwendet, die auch in der Eisenzeit zur Verfügung standen. Der Einsatz der verschiedenen Holzarten sowie der Holzverbindungstechniken und die dabei entstehenden Arbeitsspuren orientierten sich an der eisenzeitlichen Holztechnologie.


Die Architekturmodelle wurden nach archäologischen Befunden von Schwarzenbach und anderen zeitgleichen Siedlungen konzipiert und errichtet. Die Rekonstruktion der Holzbauteile und Holzverbindungstechniken orientiert sich an inneralpinen Befunden, da dort bessere Erhaltungsbedingungen detailliertere Einblicke in die keltische Handwerkskunst lieferten. Bei den Aufbauarbeiten kamen in erster Linie nachgeschmiedete keltische Werkzeuge zum Einsatz. Als Vorbilder dienten hier ebenso Werkzeugfunde keltischer Zeit aus dem Ostalpenraum. Soweit diese aus der archäologischen Forschung bekannt und argumentierbar sind, sollen originalgetreue Nachbildungen von Gegenständen und Gerätschaften im Inneren der Gebäude einen Eindruck der Wohn- und Arbeitsverhältnisse vermitteln.

Seit 2002 wird daran gearbeitet, die Präsentation des keltischen Lebens in Schwarzenbach als Dauereinrichtung zu gestalten. Deshalb hat die Gemeinde das VIAS-Vienna Institute for Archaeological Science mit der Errichtung eines archäologischen Freilichtbereichs betraut, wo in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt Teile der keltischen Stadt wieder aufgebaut werden sollen. Das Freilichtmuseum vermittelt Einblicke in das Alltagsleben der eisenzeitlichen Bevölkerung im 2. und 1. Jahrhundert v. Chr., wobei neben der Architektur der Gebäude die ökonomischen Grundlagen der Menschen dieser Zeit und das Handwerk in einer keltischen Stadt im Vordergrund stehen. Dabei werden die Methoden der experimentellen Archäologie angewendet, um archäologische Interpretationen von Grabungsbefunden in der Praxis zu erproben. Rekonstruktionen von Baubefunden spielen eine immens wichtige Rolle, um ein möglichst vollständiges Bild vergangener Epochen zeichnen zu können. In diesem Sinne verstehen wir die Rekonstruktion von urgeschichtlichen Objekten als wichtigen Bestandteil der wissenschaftlichen Forschung. Die praktischen Erkenntnisse während der Errichtung des Freilichtmuseums sind eine große Hilfe für die Interpretation der Grabungsbefunde.

Leben in einer keltischen Siedlung

Standort des Keltendorfs