Die Forschungsarbeiten, unter der wissenschaftlichen Leitung von Wolfgang Neubauer, bilden einen Forschungsschwerpunkt von VIAS, dem Vienna Institute for Archaeological Science und wurden durch die Gemeinde Schwarzenbach, die Universität Wien, das Land Niederösterreich, das Wissenschaftsministerium, das Bundesdenkmalamt und den Jubiläumsfond der Österreichischen Nationalbank gefördert.

Angeregt von der Marktgemeinde Schwarzenbach wurde 1992 mit Mitteln des Landes Niederösterreichs von der Universität Wien damit begonnen, die befestigte urzeitliche Höhensiedlung „Burg“ in Schwarzenbach archäologisch zu untersuchen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. In den letzten 10 Jahren konnte die Befestigungsanlage und 1,2 % der Siedlungsfläche im Rahmen mehrerer Projekte durch interdisziplinäre Forschungsgrabungen unter Einsatz modernster Technik und Methoden untersucht werden.

Die Ergebnisse der umfassenden und zerstörungsfreien geophysikalisch-archäologischen Prospektion im Auftrag des BM:WFV im Jahre 1996 zeigten, dass die befestigte Siedlung "Burg" bei Schwarzenbach hervorragende Bedingungen für interdisziplinäre, siedlungs- und wirtschaftsarchäologische Forschungen bietet. Durch die stratigraphische Ausgrabung der am besten erhaltenen keltischen Wall-Grabenanlage Österreichs in den Jahren 1992-1993 konnte die hervorragende Bedeutung der Siedlung von Schwarzenbach in der späten Eisenzeit (2. und 1. Jh. v. Chr.) belegt werden.

 

Jungsteinzeit

Zu Beginn der Jungsteinzeit (= Neolithikum) kam es in der Lebensweise der Menschen zu bedeutenden Änderungen: die aneignende Wirtschaftsform der Jäger und Sammler wurde zugunsten der produzierenden Wirtschaftsform der Ackerbauern und Viehzüchter aufgegeben. Der Pflanzenanbau führte zur Aufgabe des Nomadendaseins und zur Sesshaftwerdung der Menschen.
Neben den verschiedensten Kleingeräten aus Feuerstein, Knochen und Geweih waren für Rodung und Feldbestellung entsprechende neuartige Werkzeuge notwendig, die im Unterschied zur Altsteinzeit aus Felsgestein geschliffen und mitunter durchbohrt wurden. Die ältesten Spuren der Siedler am Burgberg von Schwarzenbach stammen aus der späten Jungsteinzeit (C14-Datum ...), die wegen der ersten Hinweise auf Kupferverarbeitung auch Kupferzeit genannt wird. Anhand der Keramik können für Schwarzenbach Verbindungen zur Jevisovice-Kultur, die in dieser Zeit vorwiegend nördlich der Donau verbreitet war, angenommen werden, doch auch Kontakte zu anderen Kulturgruppen sind wahrscheinlich und müssen noch weiter erforscht werden.

 

Geschützte Dörfer und Weiler

In der späten Kupferzeit (um 3000-2400 v. Chr.) wurde häufig auf natürlich geschützten Höhen gesiedelt. Siedlungen dieser Art sind von Niederösterreich über das Burgenland bis in die Steiermark bekannt, sie waren meist recht klein und manchmal durch eine Befestigung zusätzlich gesichert. So beschränken sich auch in Schwarzenbach die Spuren der kupferzeitlichen Siedlungsphase auf den Bereich der Kuppe des Burgberges. Obwohl bereits einzelne Funde aus den Grabungen der Jahre 1998 und 1999 eine neolithische Besiedlung andeuteten, konnten erst in Schnitt 5 bei den Grabungen 2002 und 2003 Keramikreste und zahlreiche Werkzeuge aus Stein, Knochen und Geweih gefunden werden. Bauweise und Ausmaße der Gebäude waren nur mit Schwierigkeiten zu dokumentieren, da die spätere Siedlungstätigkeit nur mehr die in den Felsuntergrund eingetieften Bereiche ungestört ließ. Vermutlich war das Gebäude in Schnitt 5 ein Pfostenbau, der als Werkstätte zur Herstellung von Arbeitsgeräten gedient hatte. Zahlreiche Knochen- und Geweihabfälle mit Bearbeitungsspuren deuten darauf hin. Klopfsteine, Reibplatten, grobe Quarzbruchstücke mit Gebrauchspuren wurden für die Bearbeitung von Geweih, Knochen und Stein verwendet.

Knochen- und Geweihbearbeitung

Die archäozoologische Untersuchung der Tierknochen im Bereich der Werkstätte in Schnitt 5 zeigte, dass der Anteil an erjagtem Wild in der Jüngeren Steinzeit deutlich höher war als in den nachfolgenden Siedlungsphasen. Rothirsch und Wildschwein waren bevorzugte Jagdbeute. Sogar der Unterkieferzahn eines Braunbären konnte in die Jüngere Steinzeit datiert werden. Bemerkenswert ist, dass unter den Überresten von Rothirschen großteils Geweihstücke vorliegen, die als Rohstoff für Hacken und möglicherweise als Zwischenfutter für Beilschäftungen genützt wurden. Unter den Werkstattresten finden sich Zeugnisse aller Bearbeitungsstadien, von der unbearbeiteten Geweihstange über grob behauene Halbfabrikate bis zu fertigen Knochengeräten. Neben dem Geweih wurden bevorzugt der Mittelfuß und die Mittelhand der Tiere, wahrscheinlich auf Grund ihrer hohen Festigkeit, für die Herstellung von Nadeln, Ahlen und Schabern verwendet. Eine weitere Besonderheit aus den Fundschichten der Jüngeren Steinzeit ist der hohe Anteil verbrannter Knochen, die mehrheitlich als Speisereste gewertet werden können.

Werkzeuge und Waffen aus Stein

Die Untersuchung der Steingeräte brachte einige äußerst interessante Erkenntnisse. So deutet die häufige Verwendung ausgewählter Gesteinsarten für ganz bestimmte Werkzeuge eine bewusste Auswahl des Rohmaterials durch die jungsteinzeitlichen Siedler an. Während die meisten der Pfeilspitzen und Klingen aus Feuerstein geschlagen wurden, bestehen die geschliffenen Steingeräte aus Serpentinit. Dabei fällt die schlechte Qualität mancher Beile auf. Ein besonderer Fund ist eine Beilklinge, die noch Sägespuren vom Abtrennen des Rohlings aufweist, die Klinge wurde aber weder abgeschliffen noch poliert. Im Grabungsmaterial finden sich häufig kantige Splitter von Gangquarzen, die vermutlich direkt aus dem Grabungsbereich und der näheren Umgebung stammen. Wie einige Gebrauchsspuren an Kanten zeigen, dürften vorhandene scharfe Kanten zum Schaben, Kratzen oder Schneiden verwendet worden sein. Das Quarzgangmaterial wurde dabei nur zerschlagen und kaum zugerichtet. Da das Material innerhalb der Siedlung einfach verfügbar war, wurden die minderwertigen Materialeigenschaften und die schlechte Bearbeitbarkeit in Kauf genommen.


Für die Reibplatten und Reibsteine wurden vorwiegend Gneise verwendet. Beim Gebrauch der Reibfläche brechen nämlich immer wieder kleine Splitter der Oberfläche aus dem Stein, weshalb die Reibfläche rau bleibt und nicht poliert wird.

 

Bronzezeit

Die Bronzezeit, die mittlere Stufe des klassischen Dreiperiodensystems, nimmt einen Zeitraum von rund 1600 Jahren ein. Zwar wurden schon am Ende der Steinzeit Metalle wie Kupfer und Gold bearbeitet, doch erst am Beginn der Bronzezeit setzte sich Metall als vorherrschender Werkstoff durch. Bronze ist eine Legierung aus ca. 90 % Kupfer und 10 % Zinn. Die Auffindung und der Abbau des Erzes, das Schmelzen des Metalls, die Formgebung und Verzierung waren Arbeiten, die nicht jeder konnte. So kam es zur Spezialisierung der Arbeit. Während am Beginn der Bronzezeit gesellschaftliche Traditionen der Jungsteinzeit noch stark wirkten, kam es im Verlauf der Frühbronzezeit zu dramatischen gesellschaftlichen Veränderungen.
Der Zugang zu Rohstoffen sowie das Know-how der Verarbeitung war wenigen Spezialisten vorbehalten, sie konnten Reichtum anhäufen und lagern, so dass es nach und nach zu einer hierarchischen Strukturierung der Gesellschaft kam.
Zur Herstellung von Bronze waren weitreichende Handelsverbindungen nötig, da die Rohmaterialien Kupfer und Zinn nicht überall verfügbar sind. Der Metallhandel führte zu einem verstärkten Austausch von Kulturgütern und zu einem engeren Kontakt zwischen verschiedenen Kulturgruppen.
Das Keramikmaterial von Schwarzenbach lässt Verbindungen mit anderen, ebenfalls südlich der Donau gelegenen Fundorten erkennen, bei denen Einflüsse aus dem Karpatenraum deutlich sind. In der Bronzezeit dürfte die Siedlung auf dem Burgberg zur Wieselburger Kultur gehört haben.

 

Wohn- und Wirtschaftsgebäude

Die bronzezeitliche Bebauung war locker strukturiert und nahm vermutlich den größten Teil der Hochfläche des Burgberges ein. In Schnitt 5 im Bereich südlich des heutigen Aussichtsturmes, konnten die Reste eines Gebäudes erforscht werden, von dem die Steine einer Unterkonstruktion für Schwellbalken erhalten geblieben sind. Zahlreiche Keramikfragmente aus diesem Bereich ließen sich von den Restauratoren zu mehreren Gefäßen ergänzen, die in die späte Frühbronzezeit zu datieren sind.
Pfostensetzungen für Häuser aus der frühen Bronzezeit, die um das Jahr 1800 v. Chr. erbaut worden waren (C14 Daten...) kamen sowohl auf der Kuppe als auch auf den Südhängen ans Tageslicht. Pfosten für die Träger der Dachkonstruktion waren in den Fels gehauen, mit Steinen verkeilt und unterlegt. Die Wände der Häuser bestanden aus Flechtwerk. Dabei wird um im Boden stehende Stangen ein Geflecht aus Weiden- oder Haselruten gewunden und zum Schutz gegen Kälte und Nässe mit Lehm abgedichtet.

Am Ende der Bronzezeit

Die Bautradition der frühen und mittleren Bronzezeit blieb über mehrere hundert Jahre erhalten. Noch in der späten Bronzezeit (um 1000 v. Chr.) wurden am Burgberg Wohnhäuser in scheinbar unveränderter Art erbaut. Auch in dieser Zeit dürften die Siedler einen Großteil der Hochfläche genutzt haben. Durch die spätere keltische Bautätigkeit und aufgrund der modernen landwirtschaftlichen Nutzung sind jedoch die bronzezeitlichen Siedlungsspuren an vielen Stellen gestört und überlagert.
Da für die bronzezeitliche Siedlung eine Befestigung zu erwarten wäre, stellt sich die Frage nach ihrem Verlauf. Wahrscheinlich folgte der Großteil der massiven keltischen Befestigungsanlage dem Verlauf des älteren Vorbildes.

 

Leben in der Bronzezeit

Einblick in den Alltag der bronzezeitlichen Bewohner geben uns Funde von Spinnwirteln, gelochten, kleinen Tongewichte, die auf einer Spindel aufgesteckt waren und die nötige Schwungmasse zum Drehen und somit Spinnen eines Fadens bildeten. Die Textilien selbst sind zwar während der langen Zeit ihrer Lagerung im Boden vergangen, die Spinnwirtel weisen uns aber darauf hin, dass Wolle oder pflanzliche Fasern in Schwarzenbach versponnen wurden. Webgewichte in verschiedenen Formen, die auf eine Weiterverarbeitung der Fäden zu Stoff auf einem Webstuhl schließen lassen, gehören ebenfalls zum Fundmaterial. Von der Kleidung der bronzezeitlichen Bewohner des Burgberges wissen wir wenig, lediglich bronzene Trachtelemente haben die Jahre überdauert. Dazu zählen Bronzenadeln, die dem Zusammenhalt des Übergewandes, ähnlich einer Sicherheitsnadel, dienten. Aufgrund ihrer modebedingten Änderungen sind Sie bei der Zuordnung zu archäologischen Kulturgruppen nützlich. Leider werden sie selten in Siedlungen, dafür aber um so häufiger in Gräbern gefunden.

Tod in der Bronzezeit

Einer der Friedhöfe der Mittelbronzezeit (um 1600/1500 v. Chr.) dürfte nicht weit von der Siedlung entfernt auf einem Hang Richtung Sieggraben gelegen sein. In zeittypischer Weise wurden die Toten unter Grabhügeln mit Beigabe von Tongefäßen beigesetzt. In der Urnenfelderzeit hingegen wurden die Toten verbrannt. Ihre Überreste wurden nach der Verbrennung aufgesammelt und in einer Urne, zumeist ein Tongefäß oder Holzbehälter, in einer kleinen Grube beigesetzt. Im gesamten Siedlungsbereich findet man verstreute, zum Teil verbrannte, menschliche Knochen. Ob diese von gestörten Bestattungen aus der Spätbronzezeit, von Opfern feindlicher Übergriffe oder kultischer Handlungen stammen, ist ohne weitere archäologische und naturwissenschaftliche Untersuchungen nicht klar zu entscheiden.

Haustiere am Burgberg

Aus der bronzezeitlichen Siedlung auf dem Burgberg von Schwarzenbach konnten auch Funde von Tierknochen geborgen werden. Es war möglich festzustellen, dass sich die Bewohner der Siedlung Rinder und Schweine als Haustiere hielten, die sie auch verspeisten. Schnittspuren auf den gefundenen Knochenteilen weisen auf die Zerlegung der Tiere hin.

 

 

Jüngere Eisenzeit


Im Laufe des 2. Jahrhunderts v. Chr. kam es zu einer merklichen Veränderung der Bebauungsstruktur. Einflüsse städtischer Kulturen aus dem Mittelmeerraum und eine Verbesserung der industriellen und landwirtschaftlichen Produktion ermöglichten den Aufbau stadtartiger Siedlungszentren. In ihnen befand sich der Sitz der politischen Führung eines Stammes, sie dienten aber auch als Orte des spezialisierten Handwerks und Handels. Das Bebauungsschema und die Größe variierten, gemeinsam ist ihnen eine massive Wehrmauer, die in Schwarzenbach bereits in den Jahren 1992 und 1993 archäologisch untersucht wurde. Die von der Wehrmauer umschlossene Innenfläche beträgt etwa 15 Hektar. Die bis zu 10 Meter hohe Pfostenschlitzmauer ist heute noch gut als verstürzte Wallanlage im Gelände erkennbar ist. Die Konstruktion der Mauer bestand aus einer massiven Reihe von blockbauartig zusammengefügten Holzkästen, die mit Erd- und Steinmaterial verfüllt wurden. An der Außenseite wurden mächtige Eichenstämme mit Abständen von etwa 150 Zentimetern aufgestellt, die man an ihrer Unterseite bis zu zwei Meter tief im Boden verankert hatte. Den Zwischenraum bildeten Steinlagen in Trockenmauertechnik, an die oben eine Brustwehr aus Holz anschloss.
Obwohl durch die geophysikalische Prospektion ein großer Teil der Innenfläche untersucht werden konnte, ist es noch zu früh die funktionelle Aufteilung in einzelne Bereiche abschließend beurteilen zu können. Das derzeitige Interesse der Forschungen gilt vor allem den Bereichen, in denen Hinweise auf Handwerk zu finden sind. Die Bedeutung der Eisenproduktion in spätkeltischer Zeit in der Oberpullendorfer Bucht dürfte auch der Grund für die Anlage eines Zentralortes mit oppidumähnlicher Funktion in Schwarzenbach gewesen sein. Das Eisen war es auch, das die Gebiete nördlich der Alpen für die Römer interessant machte. So endete die Besiedelung spätestens mit der Eingliederung in das römische Reich in den letzten Jahrzehnten v. Chr.

Wohnhäuser und Werkstätten

In der jüngeren Eisenzeit wurden beim Hausbau die natürlichen Voraussetzungen des Geländes berücksichtigt, indem die Gebäude parallel zum Hang ausgerichtet waren. Am südlichen Hang des Höhenrückens wurden zweigeschossige Schwellbauten mit einer Grundfläche von mindestens 6,5m x 3m in den Fels eingetieft. Die Wohnfläche war in den Hang geschnitten, der Aushub wurde als Planiermaterial angeschüttet, um eine ebene Gehfläche im Hausinneren zu erhalten. Darauf wurde ein sehr niedriges „Untergeschoß“ gebaut. Das zweite Stockwerk lag auf der dem Hang zugekehrten Seite auf einem Querbalken knapp über dem Boden auf, die entgegengesetzte äußere Seite saß auf dem Untergeschoß. Den Boden bildete gestampfter Lehm, gekocht wurde an der Feuerstelle in der nordwestlichen Hausecke.
Auch die Kuppe, der Bereich des heutigen Aussichtsturmes, gehörte zum Wohnbereich der keltischen Siedler. Die Bautechnik der Häuser unterschied sich von jener der am Hang errichteten Häuser: Pfostenbauten mit längsseitigen Schwellbalken, in einer Rinne auf Unterlagssteinen auflagen, waren für den höchsten Bereich der Siedlung typisch. In Schnitt 5 südlich des Turmes wurden ebenfalls die Reste von mindestens zwei Häusern dokumentiert. Beide Bauweisen kamen in der jüngeren Eisenzeit im Osten Österreichs häufig vor.

 

Pferde und Drehscheibenkeramik

Zahlreiche Pferdeknochen aus der keltischen Besiedlungsphase zeigen, dass die Pferdezucht sehr entwickelt war. Die Größe der Pferde überrascht allerdings, übertrifft sie doch alle bisher bekannten Funde von späteisenzeitlichen Pferdeskeletten. Möglicherweise gab es Handelskontakte nach Osten, wo Steppennomaden siedelten, oder nach Italien, wo Pferde dieser Größe auch verbreitet waren. Schnittspuren an Knochen zeigen, dass Pferde neben Schafen, Ziegen, Rindern und Schweinen genauso zur Nahrungsversorgung herangezogen wurden.
Die keltische Keramik war bereits auf der Töpferscheibe hergestellt worden. Große Gefäße aus Ton, dem Graphit zugesetzt war, dienten als Kochgefäße. Grautonige Ware kennen wir in Form von gröberen Kammstrichtöpfen und als feineres Ess- und Trinkgeschirr. Anhand der Keramik lassen sich Handelsbeziehungen zu anderen keltischen Siedlungen nachweisen.

Schmuckproduktion

Spuren von keltischem Handwerk konnten 2004 in Schnitt 6 untersucht werden. Auf einer etwas isolierten Terrasse wurden durch geophysikalische Messungen Hinweise auf Öfen gewonnen. Das Fehlen großer Mengen von Schmiedeschlacken lässt vermuten, dass hier nicht etwa Eisen verhüttet wurde - dies geschah in der Nähe des Erzes in der Ebene - sondern Schmuck und Werkzeuge produziert wurden. Kleine Gusskuchen und verschmolzene Bronzereste aus einem Depotfund in der Nähe des Zangentores deuten die Herstellung feiner Schmuckstücke aus Bronze an. Gürtel- und Amulettringe sowie ein eiserner Gürtelhaken wurden während der Grabungen gefunden. Gagatfragmente zeugen ebenfalls von Schmuckherstellung. Ob auch Glas verarbeitet wurde, lässt sich ohne weitere Untersuchungen noch nicht entscheiden, verschmolzene Bruchstücke könnten erste Hinweise darauf sein, allerdings auch von der Zerstörung importierten Schmucks herrühren.

Münzen und Münzprägung

Für Aufsehen sorgten die Funde mehrer keltischer Münzen. Eine Goldmünze, ein boischer 24stel Stater, konnte bereits 1998 zwischen späteisenzeitlichen Gebäuden gefunden werden. Die Münze stammt wahrscheinlich aus der Umgebung von Prag, wo sie um 200 v. Chr. geprägt worden war. Der Fundpunkt Schwarzenbach ist außergewöhnlich, da ihr Umlaufgebiet eigentlich nördlich der Donau liegt. Es wird vermutet, dass Goldmünzen vor allem im Fernhandel verwendet worden sind.
In den letzten Jahren wurden drei weitere Münzen aus Silber entdeckt. Die Silbermünzen sind Kleingeld vom Velemer Typ. Auf der Vorderseite ist ein Kopf dargestellt, auf der Rückseite ein Pferd mit einem Reiter, der allerdings nur mehr als Punkt über dem Rücken zu erkennen ist.
Hinweise auf Münzprägung könnten zwei kleine Ringe sein, die nur grob bearbeitet sind und aus Silber bzw. Billon, einer Kupfer-Silber Legierung bestehen, die häufig für Münzen verwendet worden ist. Ausserdem wurde das Fragment einer Tüpfelplatte gefunden, einer Gussform aus Keramik, die zur Herstellung von Rohformen für die Münzprägung diente.

 

Völkerwanderungszeit

Mit der römischen Okkupation setzte sich in Noricum und Pannonien auch zunehmend der römische Lebensstil durch. Obwohl die Höhensiedlung ihre Bedeutung verlor, blieb sie doch ein strategischer Punkt in der Landschaft auf dem Menschen jüngerer Zeiten ihre Spuren hinterließen. In der Völkerwanderungszeit wurde der Berg zumindest zur Bestattung eines Kindes aufgesucht, das am höchsten Punkt der Kuppe begraben worden ist. Das Kind wurde mit Blick nach Norden in leichter linksseitiger Hockerstellung begraben und hatte keinerlei Grabbeigaben. Die Bestattung war ungestört bis auf den unteren Unterschenkel- und Fußbereich. Die geborgenen Skelettreste wurden zur Bearbeitung und Präparation an die Mitarbeiter der Abteilung Archäologische Biologie und Anthropologie des Naturhistorischen Museums Wien übergeben. Dort wurden die fragilen Knochenreste vorsichtig gereinigt und sorgfältig präpariert. Nach der Zahnentwicklung wurde das Alter des Kindes auf 3-4 Jahre bestimmt. Die Körpergröße kann mit 84 bis 94 cm angenommen werden.

Ein deformierter Schädel

Die Veränderungen am Kinderschädel deuten auf eine von außen erfolgte Manipulation im Sinne einer künstlichen Schädeldeformation hin. Die ringförmigen, das Schädeldach umfassenden, ca. 4 cm breiten Eintiefungen bzw. Abflachungen könnten durch eine Bandagierung des kindlichen Kopfes entstanden sein. Das Alter wurde mit der sogenannten C-14-Methode auf das Jahr 315 nach Christus bestimmt. Diese künstliche Deformation des Schädels war in der Völkerwanderung in bestimmten Gesellschaftsschichten eine oft angewandte Sitte. Das Gesamtbild der pathologischen Veränderungen weist auf eine Mangelkrankheit wie z.B. ein Vitamin-C-Mangel hin. Letzterer verursacht eine Immunschwäche, die bei einer zusätzlichen Infektion schnell zum Tod dieses Kleinkindes geführt haben kann.

Zweiter Weltkrieg

Auch jüngere kriegerische Auseinandersetzungen hinterließen ihre Spuren. Im zweiten Weltkrieg wurde im Bereich der Gipfelkuppe ein Beobachtungsturm zur Kontrolle des Flugverkehrs in Richtung Wiener Neustadt errichtet. Während der Grabungen konnten Gruben aus dieser Zeit dokumentiert werden, die die älteren archäologischen Befunde störten.