Geophysikalisch-archäologische Prospektion der Innenfläche 1996

Als erster Schritt zur effizienten Planung und gezielten Durchführung weiterer Forschungsgrabungen wurde durch eine zerstörungsfreie geophysikalische Prospektion die gesamte nicht bewaldete Innenfläche der befestigten, urzeitlichen Siedlung erkundet. Das Augenmerk lag dabei auf der Lokalisierung und Erfassung intensiv genutzter Siedlungsbereiche und deren noch erhaltener Strukturen.

Das Forschungsvorhaben wurde in einer interdisziplinären Kooperation von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, Abt. Geophysik und der Geophysikalischen Prospektion der interdisziplinären Einrichtung für Archäologie der Universität Wien (IDEA; heute VIAS)) im Auftrag des Bundesministeriums für Wissenschaft und Verkehr im Jahre 1996 unter Leitung von Sirri Seren und Wolfgang Neubauer durchgeführt und im Februar 1997 abgeschlossen (1). Die Innenfläche wurde durch flächendeckende magnetische - und Bodenwiderstandsmessungen untersucht. In ausgewählten Bereichen wurden geoelektrische Pseudosections und Tiefensondierungen und refraktionsseismische Profil- und Flächenmessungen vorgenommen.

Das Prospektionsergebnis lässt unterschiedliche Siedlungsbereiche im Prospektionsplan erkennen. Das südlich vorgelagerte, höchste Plateau, wo mächtigere Sedimente den Fels überlagern, zeigt eine regelmäßige und dichte Bebauung. In den meisten Messflächen lassen sich die Reste von Gebäuden in Form von steinernen Fundamenten oder rechteckigen Anomalien feststellen. Auf dem nach Osten geneigten Berghang konnten mehrere gleichartige Einzelgehöfte kartiert werden. Sie bestehen aus einem Wohngebäude mit mehreren Räumen, einem langrechteckigen und einem annähernd quadratischen Nebengebäude. Ebenso konnten in den Untergrund eingetiefte Grubenhäuser und Pfostenbauten lokalisiert werden. Vereinzelt auftretende Pfostenreihen deuten auf Schwellbalkenbauten hin, die sich nur noch durch die Firstbalkenreihen ausmachen lassen. Eine verbrannte und umgestürzte Flechtwerkwand eines Pfostenbaues konnte magnetisch erschlossen werden.

Es lässt sich im Prospektionsergebnis eindeutig erkennen, dass die heutige Geländekante im Osten und Süden nicht mit einer Felskante identisch ist, sondern durch eine massive Zerstörung der ehemaligen Wallaufschüttung entstanden ist. Zusätzlich zu einer stärkeren natürlichen Erosion an den steilen Berghängen wird vom Prospektionsteam angenommen, dass der Wall zur Erweiterung der landwirtschaftlich nutzbaren Flächen zu den Steilhängen hin einplaniert worden war. An der Innenseite wird die durch eine Mauer verstärkte Wallaufschüttung von kasemattenartig angeordneten Gebäuden begleitet, die meist Trockenmauerfundamente und Steinlagen aufweisen. Auf einem geschützten und abgeschlossenen Plateau im Inneren der Siedlung sind „Werkstätten“ und Ofenanlagen nachweisbar, die auf einen spezialisierten Produktionsbereich hindeuten. Weitere Produktionsbereiche werden durch Konzentrationen von starken magnetischen Anomalien angedeutet. Einzelne Flächen mit geringer Sedimentüberlagerung über dem anstehenden Fels zeigen keine eindeutigen Siedlungsspuren. Sie könnten bereits stark zerstört sein oder freie Plätze in der Siedlung darstellen.

Im Rahmen der Prospektionsarbeiten wurde ein genaues digitales Geländemodell erstellt.

  1. Unpubl. Projektbericht an das Wissenschaftsministerium: ZAMG Archeo Prospections, Geophysikalische und Archäologische Prospektion der urzeitlichen, befestigten Siedlung in Schwarzenbach/NÖ, 1997.