Im Sommer 2002 wurde eine weitere stratigraphische Grabung auf höchsten Plateau der Siedlung auf einer Fläche von 930 m² durchgeführt (OeNB Projnr. 9441). Auf Grund der geophysikalische Prospektionsergebnisse waren in der Fläche mehrere Hausgrundrisse und Gruben zu erwarten. Nach dem Abtragen der Grasnarbe war in einzelnen Bereichen bereits die Felsoberkante erreicht. Der jüngste Befund war eine kreisrunde Grube deren Ränder mit faustgroßen Steinen in Form einer Trockenmauer ausgekleidet war und die auf Grund des Fundmaterials in die Zeit des Zweiten Weltkriegs zu datieren ist.

Daneben zeigten sich zahlreiche Ablagerungen, die Fundmaterial aus der Latènezeit, der Urnenfelderzeit und überraschenderweise aus dem späten Neolithikum erbrachten. Mehrere Hausgrundrisse von Pfostenbauten lassen sich in die Latènezeit datieren. Die Pfosten weisen einen regelmäßigen Abstand von ca. 1,5 m auf, und wurden in Pfostengruben aufgerichtet, die in den anstehenden Marmorfels bis zu 60 cm tief eingegraben wurden. Die teilweise bis 50 Zentimeter starken Pfosten wurden in der Pfostengrube mit Steinen verkeilt. Von einem Gebäude Haus 16 konnte ein Eingangsbereich untersucht werden, der einen Vorbau aufwies. In die Bronzezeit zu datieren ist der Grundriss eines Ständerbaus Haus 17. Der in diesem Bereich stark korrodierte Marmorfelsen wurde in einem rechteckigen Bereich eingeebnet. Für die Horizontierung der Schwellbalken wurden teilweise Trockenmauerfundamente errichtet. Die das Dach tragenden äußeren Firstpfosten wurden auf die Schwellbalken gesetzt. Im Inneren unterstützten mindestens zwei weitere, in den Untergrund eingetiefte Firstpfosten die Dachkonstruktion. Das Gebäude wies zwei Räume auf. Im Rahmen eines Beitrages von Modern Times wurde in Zusammenarbeit mit der Grafikabteilung des ORF eine virtuelle Rekonstruktion dieses Gebäudes erstellt.

In einer schlüssellochförmigen Grube konnte die Substruktion für einen Kuppelofen untersucht werden. Auf Grund des Fundmaterials lässt sich diese Ofenanlage ebenfalls in die Bronzezeit datieren. Von besonderer Bedeutung ist der Nachweis von spätneolithischen Pfostenbauten, deren mit Lehm verstrichene Flechtwerkwände teilweise in bis zu 30 cm tief in den Felsen eingegrabene Wandgräbchen fundamentiert waren. Steinzeitliche Funde fanden sich nicht nur in den steinzeitliche Ablagerungen, sondern auch in den jüngeren Schichten. Neben den keramischen Fundmaterials sind vor allem mehrere Steinbeile, Reibplatten und Silex-Pfeilspitzen hervorzuheben.

Die digitale Grabungsdokumentation wurde im Rahmen dieser Grabung ebenfalls weiterentwickelt und standardisiert. Dadurch konnte die Dokumentation weiter rationalisiert werden und zahlreiche Auswertungsschritte lassen sich dadurch automatisieren. In diesem Jahr kam erstmalig auf einer stratigraphischen Grabung ein 3D-Laser Scanner zur Dokumentation der Topographie der Oberflächen der freigelegten Ablagerungen zum Einsatz. Dadurch lassen sich gerade für steinige Grabungsflächen detaillierte topographische Modelle (DEM) der Schichtoberflächen mit Auflösungen im Zentimeterbereich erstellen. Von besonderer Bedeutung ist auch die gleichzeitige Beschleunigung der Dokumentation um das fünffache im Vergleich zur Aufnahme mit der Totalstation.

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Ergebnisse Schnitt 5 ( MB)